An der Kantonsratssitzung vom 13. November behandelte der Kantonsrat ein Postulat von mehreren SVP-Kantonsräten, das die “volle Unterrichtsbefähigung der Absolventen der Pädagogischen Hochschule Zug für alle Fächer (sprich: Ausbildung von Generalisten als Primarlehrer)” verlangt. Namens der CVP-Fraktion hielt ich das Votum. Der Vorstoss nimmt ein altes Anliegen auf, das schon mehrmals diskutiert wurde und auf das wohl schon jede Fraktion mindestens einmal hingewiesen hat. Allerdings sind auch die Gründe respektabel, die gegen die volle Ausbildung sprechen. Der Regierungsrat legt in seiner Beantwortung Vor- und Nachteile der Generalistenausbildung ausführlich dar. Ich bin jedoch auch der Meinung, dass Berufsausbildungen auf das Berufsfeld vorbereiten müssen, in dem die Absolventinnen und Absolventen dann auch tatsächlich arbeiten werden. In diesem Sinn finde ich die Ausbildung zur vollen Unterrichtsbefähigung von Lehrpersonen der Kindergarten- und Primarstufe richtig. Dies sieht übrigens auch die Hochschule selbst so, die seit 2013 ihre Studierenden in acht statt wie bisher sieben von zehn Fächern ausbildet und sich auch grundsätzlich nicht dagegen stellt, noch ein weiteres Fach in den Lehrgang aufzunehmen. Ein wichtiger Hintergrund dieser Anpassungen liegt sicher auch in der Konkurrenzsituation zur Pädagogischen Hochschule Schwyz, die sich die Generalistenausbildung seit der Gründung auf die Fahne geschrieben hat.

Interessanterweise sieht sowohl das Postulat als auch die Pädagogische Hochschule selbst ausdrücklich vor, dass das Fach Französisch weiterhin abgewählt werden kann. Damit wird ein Problem der “Employability”, wie der Bericht des Regierungsrats die Beschäftigungsfähigkeit von Lehrpersonen auf nennt, nicht gelöst. Gerade das häufige Fehlen der Lehrbefugnis im Fach Französisch erschwert es den Verantwortlichen der Schulgemeinden, den Unterricht in den 5. und 6. Klassen vollumfänglich, und damit eben auch im Fach Französisch, sicherzustellen. Zudem wird ein wichtiges Ziel der Generalistenausbildung, dass nämlich die pädagogische Verantwortung für Schülerinnen und Schülern auf der Primarstufe von möglichst wenigen Personen getragen wird, damit untergraben. Es stellt sich deshalb die Frage, ob nicht insbesondere das Fach Französisch an den Pädagogischen Hochschulen als obligatorisch erklärt werden müsste, wenn man die beiden Ziele des Postulats wirklich erreichen möchte. Man könnte aus der häufigen Abwahl von Französisch auch Schlüsse auf die Qualität der Vorbildung der Studierenden an der PH ziehen. Französisch ist wohl neben der Mathematik das selektivste Schulfach, das unter anderem auch viel Fleiss erfordert. Und es stellt sich die Frage, ob sich der Fächerkanon einer Berufsausbildung tatsächlich an den Neigungen und Stärken der Studierenden orientieren darf und nicht vielmehr an den tatsächlichen Anforderungen des Berufs. Bei Mathematik beispielsweise würde wohl niemand auf die Idee kommen, dieses Fach könne für angehende Primarlehrpersonen als freiwillig erklärt werden, weil einzelnen Bewerbern das Fach Mathematik nicht liegt.

Bei der Frage der vollen Unterrichtsbefähigung von Absolventen der Pädagogischen Hochschule geht es also auch um das Fach Französisch, obwohl dieser Zusammenhang in der Kantonsratsdebatte mit keinem Wort erwähnt wurde. Die häufige Abwahl des Fachs Französisch an den Pädagogischen Hochschulen ist ein weiteres Symptom des Niedergangs des Schulfranzösisch an den Deutschschweizer Schulen. Die mangelnden Französischkenntnisse von vielen angehenden Primarlehrerinnen und Primarlehrern und die fehlende Bereitschaft, diese in der Ausbildung aufzuholen, hängt nicht ursächlich mit der mangelnden Vorbildung oder dem Fleiss beziehungsweise der Intelligenz von Bewerberinnen und Bewerbern für den Lehrberuf zusammen, wie ich eben – bewusst etwas bösartig – vermutete. Wir müssen wohl zuerst klären, ob und wie wir dem Französisch wieder den Stellenwert einer wichtigen zweiten Landessprache verschaffen können. Ich bin ein klarer Befürworter einer eindeutigen Priorisierung des Französischen in der Schulbildung in den Deutschschweizer Kantonen. Nützen wir doch die Krise des Französischen, die sich auch im dünnen Angebot an  Lehrpersonen zeigt, die dieses Fach unterrichten können, um den Französischunterricht besser zu machen. Möglicherweise braucht es dazu eben doch Fachlehrpersonen für Französisch auf der Primarschulstufe. Völlig falsch wäre es aus meiner Sicht, das Kind mit dem Bad auszuschütten und auf Französisch ganz zu verzichten.

 

Die Generalistenausbildung von angehenden Primarlehrpersonen hängt mit dem Fach Französisch zusammen